Sechzehn Jahre Le Space
Vom ersten Coworking Space Leipzigs zu einem Stack, der ohne Server auskommt.
Die frühen Jahre wurden nicht fotografiert, sondern erinnert. Die Bilder sind Illustrationen.
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Coworking war in Deutschland gerade angekommen — eine Handvoll Spaces im ganzen Land.
Ein Raum in Leipzig
Le Space eröffnete den ersten Coworking Space Leipzigs, im Tapetenwerk: freitags gemeinsames Frühstück vor der Arbeit, und Platz für Freiberufler, Gründerinnen, Angestellte und Studenten gleichermaßen.
Das Beta-Projekt lief von Mai 2009 bis Juni 2011. Die Community und ihr Geist bestehen bis heute — getragen von Menschen, die von Anfang an dabei waren.
Eine Erkenntnis aus dieser Zeit hat den Raum überdauert: Die Möglichkeit, gemeinsam Mittag zu essen — eine Kantine, ein Ort zum Hinsetzen — ist ein Grundbaustein lebendiger Community, keine Annehmlichkeit nebenbei.
Software folgte fast sofort, eine eigene Anwendung zur Verwaltung des Space.
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In der Unternehmenswelt wanderten Desktop-Anwendungen reihenweise in den Browser.
Arbeit in der Finanzbranche
Arbeit für Fondskonzept / Maklerservicecenter in München: die Portierung einer Java-Swing-Client-Anwendung für Makler auf eine Google-Web-Toolkit-Variante — regulierte Branche, große bestehende Anwendung.
Dazwischen eine Reise durch den Karakorum in Pakistan, Oktober und November 2011. Gearbeitet wurde 2012 weiter aus dem Loft 38 in Portixol, Palma de Mallorca.
Erst danach begann die Arbeit mit WebRTC.
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Video im Browser war neu, und jeder Anbieter wollte einen dafür auf seiner Plattform haben.
Remote.Yoga
Ein Startup für Yogastudios und ihre Schüler, ab 2012 — und der erste Anlauf zu etwas, das sehr viel später wiederkehrt: WebRTC-Video und -Audio für eine Yogastunde nutzbar machen, ein Lehrer zu vielen Schülern.
Teile davon entstanden 2013 und 2014 in Goa, Indien — als einer der ersten echten digitalen Nomaden im Land.
- 2016
WebRTC war in den großen Browsern angekommen, von einem Standard aber noch Jahre entfernt.
Zusammenarbeit ohne Raum
Wenn es beim Coworking darum geht, dass Menschen nebeneinander arbeiten — braucht es dann den Raum? Le Space baute virtuelles Coworking über WebRTC und Videotelefonie als native Apps für iOS und Android.
Die Technik war schon damals Peer-to-Peer. Aber sie brauchte Signalisierungs- und Medienserver, um zwei Browser überhaupt zu verbinden. Die Abhängigkeit blieb.
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Der ICO-Boom: eine Idee, ein Whitepaper, und ein Coin dazu.
Nachweis ohne Mittelsmann
Doichain, ein Fork von Namecoin: fälschungssichere Nachweise über das Double-Opt-In im E-Mail-Marketing, dokumentiert in einer Blockchain statt bei einem Dienstleister. Prototyp 2018, ein Non-Profit als Träger, Workshops mit dem eco-Verband.
Anfang 2025 wurde das Projekt nicht mehr weitergeführt. Der Verweis führt ins Archiv — die Domain gehört nicht mehr zu uns.
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FTX und Terra-Luna brechen zusammen. Das Vertrauen geht mit — bei Entwicklern, Gründern und Investoren gleichermaßen.
Der Bruch
Le Space stellte die Frage neu, mit zwei Bedingungen: Peer-to-Peer ohne Blockchain, und ohne Tokenverkauf als Geschäftsmodell.
Die Antwort fand sich im selben Jahr — OrbitDB, libp2p und IPFS. Seitdem entsteht laufend Neues: local-first Peer-to-Peer als Web-Apps, von Aufgabenlisten über einen Blog und ein Adressbuch bis zur Kursbuchung für Yogastudios.
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IPFS und libp2p waren der Kryptoszene entwachsen und zu einer eigenen Forschungsgemeinde geworden.
Zwei Räume
Die LabWeek brachte den ersten direkten Kontakt zu Entwicklern von Protocol Labs — den Leuten hinter IPFS und libp2p. Auf diesen Kontakt geht zurück, dass Le Space heute in dieser Community steckt und ihre Software nicht bloß benutzt.
Parallel dazu ein SvelteKit-Auftrag für ein Unternehmen der Pharmabranche in Wien: erneut eine regulierte Branche, und zugleich das Framework, auf dem die local-first-Prototypen laufen.
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Passkeys lösen Passwörter im Massenmarkt ab, nicht mehr nur bei Frühnutzern.
Erster Platz, von libp2p selbst
Le Space gewann im Dezember 2025 den Universal Connectivity Hackathon des libp2p-Projekts.
Der Beitrag hat zwei Hälften. Die eine brachte einer Peer-to-Peer-Tabellenkalkulation Universal Connectivity bei, damit sie mit dem UC-Chat sprechen kann. Die andere brachte dem Chat selbst bei, das Angebot eines anderen Peers zu erkennen und zu installieren.
Dazwischen steht das Universal Connectivity Extension Protocol: Anwendungen melden ihre Fähigkeiten als Erweiterungen an und finden die der anderen über libp2p, ohne zentrale Registrierung. Eine Anwendung hört damit auf, ein Silo zu sein.
Beide Hälften laufen: die Tabellenkalkulation und der Chat, neu gebaut aus den Hackathon-Commits und auf IPFS gepinnt.
- 2026
Local-first wird vom Nischenbegriff zur Bewegung.
Der Stack
Identität über Passkeys statt Passwörter. Relays, die jeder in Minuten selbst startet. Zwei Geräte, die sich über einen QR-Code finden, ganz ohne Relay. Ein Vortrag auf der FOSDEM. Und Yogasūcī, im Einsatz.
Der letzte Punkt schließt einen Kreis. Das Problem, an dem die WebRTC-Arbeit hängen blieb — man kommt ohne fremde Server nicht zueinander — ist genau das, was heute gelöst ist. Und das Yoga von 2012 läuft inzwischen als Anwendung, die zwischen Geräten repliziert, ohne Server und ohne Konto.
Sechzehn Jahre, dreimal dieselbe Frage: Wem gehört das, womit wir arbeiten — der Raum, der Nachweis, die Daten? Nur die Antworten wurden besser.